Einsatz Nr. 67/2009: Schornsteinbrand in Kirchohsen

heißes Heizungsrohr entzündet Eichenbalken - Haus unbewohnbar - Wand provisorisch abgestützt!

Die Meldung eines Schornsteinbrandes sorgte in der Nacht von Samstag, den 14. November um 23:13Uhr für einen ausgedehnten Einsatz der Feuerwehr Kirchohsen in einem Fachwerkhaus "Auf dem Risch" in Kirchohsen: Ein Ofenrohr hatte einen tragenden Balken in einer Wand des Fachwerkhauses derart aufgeheizt, dass dieser in Brand geraten war. Der herbeigerufene Bezirksschornsteinfegermeister vermutet, dass ein Schornsteinbrand die übermäßige Erhitzung hervorgerufen hat.

Als die ersten Einsatzkräfte um Einsatzleiter Kay Leinemann am Einsatzort eintrafen, war von außen kein Funkenflug aus dem Schornstein erkennbar. Da außerdem die Hausnummern nicht der Reihe nach verteilt waren und sich auch niemand auf der Straße bemerkbar gemacht hatte, war das Auffinden des Einsatzortes erneut problematisch!

Da sich in der Wohnung im Erdgeschoß bereits deutliche Brandrauchschwaden breit gemacht hatten, ließ Einsatzleiter Kay Leinemann das Gebäude räumen. Ein pflegebedürftiger älterer Herr wurde vorsorglich vom Team des Intensivtransportwagens der DRK-Rettungswache Emmerthal übernommen. Ein Trupp unter Atemschutz erkundete die Lage im Brandraum:

Es war bereits ohne Hilfsmittel zu erkennen, dass ein Balken in einer Wand mit großer Hitze brannte. Die Einsatzkräfte entfernten daher großflächig Putz und Lehm um den Brandherd freizulegen. Der Balken wurde dann mit der Kübelspritze abgelöscht. Parallel hierzu wurden in jeder Etage Trupps  bereitgestellt, die den Schornstein beobachteten und die Temperatur überwachten. In einer Wohnung im 1. Obergeschoß war bereits eine Tapete angesengt, hinter der ein alter Zugang zum Schlot mit einem Metalldeckel versehen war. Da die Temperatur jedoch bereits wieder abnahm, waren hier keine aktiven Maßnahmen erforderlich.

Vom Einsatzleiter wurde Bezirksschornsteinfegermeister Carsten Koch angefordert, welcher beurteilen sollte, ob der Schornstein gefegt werden muß und welche Maßnahmen ggf. noch zu treffen sind. Da außerdem der betroffene Eichenbalken tragend war und bis auf ein Viertel des ursprünglichen Querschnitts heruntergebrannt war, wurde auch ein Architekt angefordert. Michael Kuhn, stellv. Ortsbrandmeister der Feuerwehr Bad Pyrmont, beurteilte die Satik im Brandraum und gab Hinweise, wie die bereits von den Einsatzkräften vorgenommene provisorische Abstützung ergänzt werden mußte.

Da sich im Bereich der Brandáusbruchsstelle auch Teile der Elektroinstallation befanden, war das gesamte Haus von Anfang an von der Feuerwehr stromlos geschaltet worden. Die Wohnung wurde vorübergehend für unbewohnbar erklärt. Die Bewohner kamen bei Angehörigen unter. Der pflegebedürftige Herr wurde vom Rettungsdienst ebenfalls zu den aufnehmenden Angehörigen transportiert.

Da Schwelbrände in Fachwerkwänden äußerst tückisch sind und lange unentdeckt bleiben können, wurde der gesamte Bereich mit der Wärmebildkamera akribisch auf ungewöhnliche Wärmefelder abgesucht.
Ein solcher Bereich wurde auch in unmittelbarer Nähe entdeckt. Hier mußte ebenfalls die Wand geöffnet werden. Zum Vorschein kam ein weiterer Eichenbalken, der jedoch nach Außen unversehrt schien. Sicherheitshalber entschied sich Einsatzleiter Leinemann, den Brandraum auch nach Abrücken der Feuerwehr um 1:30Uhr in regelmäßigen Abständen auf aufflammende Glutnester zu kontrollieren.

Genau diese Vermutung bestätigte sich bei einer Kontrolle um 3:30Uhr in der selben Nacht, weil dort plötzlich wieder eine Verqualmung erkennbar war. Aus diesem Grunde wurde erneut ein Teil der Einsatzkräfte alarmiert, welcher unter Atemschutz die Lage erkundete: Genau der vorher von der Wärmebildkamera aufgespürte Balken war nun am Schwelen. Aus diesem Grund wurde er auf einen halben Meter Länge herausgesägt. Hier kam der Grund für das erneute Aufflammen zum Vorschein. Der Balken war im Inneren hohl, Gluthitze war unbemerkt hinein gezogen und hatte ihn von innen in Brand gesetzt.

Um 5:30Uhr konnten die Einsatzkräfte entgültig einrücken!

Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der Gesamtschaden wurde auf 26.000,-€ geschätzt.


Oberlöschmeister Sascha Corbach sucht mit der Wärmebildkamera nach Glutnestern!

 

Anmerkung in eigener Sache:
- Allen Hausbesitzern möchten wir nahelegen, große kontrastreiche Hausnummern (idealerweise beleuchtet) anzubringen und diese so zu positionieren, dass sie auch während der Vorbeifahrt von beiden Seiten gut erkennbar sind. Da wir, genauso wie Rettungsdienst und Polizei, in der Regel nicht die Zeit haben, auszusteigen und die Hausnummern zu suchen, gleicht die Suche nach der richtigen Hausnummer oft der nach der Nadel im Heuhaufen. Manchmal kann man an zehn Häusern hintereinander im Vorbeifahren keine Hausnummer erkennen. Dies kostet im schlimmsten Fall lebenswichtige Zeit. Durch die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung wird dieses Problem noch verstärkt, da wir unbeleuchtete Hausnummern mit Suchscheinwerfern suchen müssen!
- Allen Betroffenen, die vor einem Haus auf Hilfe warten, möchten wir nahelegen, sich frühzeitig und deutlich auf der Straße zu Erkennen zu geben, wenn sie das erste Einsatzfahrzeug erblicken. Wenn wir Sie rechtzeitig erkennen, können wir die zeitaufwändige Hausnummerbeachtung nämlich sein lassen und zügig bis zu Ihnen durchfahren. Und bitte beachten Sie: Es stehen oft Personen am Straßenrand und sehen uns an, aber erst, wenn Sie sich deutlich zu Erkennen geben (z.B. durch Winken mitten auf der Straße), können wir Sie als Betroffene von den anderen Personen unterscheiden. Und selbst wenn Sie die Einzigen auf der Straße sind, heißt das für uns noch lange nicht, dass Sie uns auch gerufen haben, denn oftmals erwartet uns auch niemand vor dem Haus. Aus diesem Grund müßten wir dann trotzdem die Hausnummernsuche beginnen, wenn Sie sich nicht bemerkbar machen...


Eingesetzte Fahrzeuge :
LF 16, ELW 1, TLF 16/25, MZW S/K, RW 2, GW-AS

Einsatzdauer: 6,25 Stunden