Einsatz Nr. 3/2009: Gasautritt in Kläranlage

Schwefelwasserstoff unbemerkt in Halle geströmt - Mitarbeiter beinahe zusammengebrochen!

Eigentlich wollte er nur noch Feierabend machen. Der Leiter der Kläranlage in Emmerthal, Thomas Jordan, musste nur noch einen letzten Kontrollgang machen. Dabei betrat er eine Halle in der die ankommenden Abwässer vorgereinigt werden. Beim Betreten der Halle fiel ihm sofort auf: "Hier stimmt irgendetwas nicht!" Nach nur zwei Schritten und einem penetranten unauffälligen Geruch, rettete er sich sofort in´s Freie.

Diese Vorsichtsmaßnahme rettete ihm vermutlich das Leben: "Mir wurde bereits schwarz vor Augen!" berichtete er später. Hätte er nur ein paar Atemzüge mehr in der Halle gemacht, wäre er bewusstlos zusammen gebrochen. Da er zu der Zeit allein auf dem Gelände war, hätte dies niemand bemerkt!

Geistesgegenwärtig jedoch holte Jordan, selbst aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kirchohsen, ein Explosionswarngerät und eilte zurück zur Halle. Mit einem Selbstretter, eine Atemluftflasche mit Mundstück, nahm er eine Messung im Eingangsbereich der Halle vor und erkannte sofort eine hohe Explosionsgefahr.

Er öffnete alle Türen am Gebäude und sorgte so für eine Vermischung des Gases mit der Umgebungsluft. Wenn der Gasanteil in der Luft durch Verdünnung weit genug absinkt, ist das Gemisch nicht mehr explosionsfähig. Dann rief Thomas Jordan seine Kameraden zur Hilfe.

Um 14:13Uhr löste die Kooperative Regionalleitstelle Weserbergland Alarm für die Feuerwehr Kirchohsen aus. Die zuerst eingetroffenen Kräfte wurden von Jordan in die Lage eingewiesen. Das dieser über gesundheitliche Probleme klagte, wurde umgehend ein Rettungswagen angefordert. Ein Trupp ging ausgerüstet mit Atemschutz und einem Ex-Warngerät zur Erkundung vor. Da in der Halle keine Gefahrgüter vorgehalten werden und Jordan, der bereits viele Jahre in der Kläranlage arbeitet, angab, er hätte so etwas noch nie gerochen, hätte theoretisch eine Einleitung irgendeines Gefahrstoffs innerhalb des Entsorgungsgebietes die Ursache sein können.

Die auf den Fahrzeugen mitgeführten Messgeräte können zwar Gefahrstoffkonzentrationen nachweisen, aber dies setzt voraus, dass man weiß, mit welchem Stoff man es zu tun hat. Aus diesem Grund wurde vom ABC-Zug Marienau der Erkundungskraftwagen angefordert. Mit diesem kann man auch unbekannte Stoffe aufspüren. Außerdem wurde Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke, welcher auch gleichzeitig Kreisgefahrgutbeauftragter ist, alarmiert. Dieser hatte sofort einen Verdacht und empfahl daher bereits auf der Anfahrt, eine Messung nach Schwefelwasserstoff vorzunehmen. Hierbei waren jedoch zunächst alle Messungen unterhalb der Nachweisgrenze.
Nach Eintreffen aller Spezialkräfte berieten sich die Einsatzkräfte zusammen mit dem Leiter der Kläranlage. Es wurden weitere Messungen vorgenommen, bei denen zeitweise auch erhöhte Konzentrationen von Schwefelwasserstoff festgestellt wurden. Allerdings wurden nur innerhalb des Gebäudes erhöhte Werte festgestellt. Für die Umgebung bestand zu keiner Zeit eine Gefahr.

Abschließend konnte nicht geklärt werden, wie es zu einer derartigen Ansammlung des Faulgases Schwefelwasserstoff kommen konnte. Kreisbrandmeister Wöbbecke vermutet jedoch, dass eine Verstopfung in der Kanalisation zu einer Gasblasenbildung geführt haben könnte, welche sich dann beim spontanen Lösen der Verstopfung schlagartig in die Halle entladen habe. Die Polizei Emmerthal hat die Ermittlungen zur Ursache des Betriebsunfalls aufgenommen. Eine Fachfirma wird sich am Montag des Vorfalls annehmen und nach Lösungen suchen, wie solch ein Unglück in Zukunft verhindert werden kann. Bis dahin wird die Halle übermäßig belüftet und, als Konsequenz aus dem Vorfall, nur noch Betreten, wenn eine zweite Person anwesend ist, die im Notfall Hilfe rufen kann...


Eingesetzte Fahrzeuge:
RW 2, TLF 16/25, ELW 1, GW-AS, GW-G, MTW

Einsatzdauer: 2 Stunden