Einsatzübung: Feuer auf Fahrgastschiff "Brissago" auf der Weser
Feuerwehr, DRK, THW und DLRG üben Ernstfall - 30 Personen bei Feuer im Maschinenhaus eingeschlossen!

Das Szenario war so gut vorbereitet, dass noch vor Anrücken der ersten Einsatzkräfte bereits Notrufe in der Kooperativen Regionalleitstelle eingingen, in denen ein brennendes Fahrgastschiff auf der Weser gemeldet wurde. Die Disponenten konnten den aufgereten Anrufern mitteilen, dass es sich lediglich um eine Übung handele.

In Höhe der tündernschen Windmühle hatte die "Brissago" geankert. Dies ist so vorgesehen, wenn ein Schiff aufgrund eines Maschinenschadens manövrierunfähig wird. Und genau das war die in der Übung angenommene Situation. Außerdem war ein Feuer im Maschinenraum ausgebrochen, welches das gesamte Unterdeck verqualmt hatte.

Matthias Hüsing und Thomas Klemme von der Feuerwehr Kirchohsen haben sich die Übung ausgedacht und alle Vorbereitungen getroffen. So hatten sie u.a. 30 "Verletzte" an Bord, die teilweise von der Gruppe "Realistische Unfalldarstellung" des DRK gestellt und geschminkt worden waren.

Für die Einsatzkräfte um Einsatzleiter Thomas Jordan gab es reichlich zu tun: Auf einer Wiese neben dem geankerten Schiff gingen die Einsatzkräfte der Feuerwehren Kirchohsen und Hagenohsen in Stellung. Sie bereiteten das "Entern" des Schiffs sowie eine Menschenrettung und Brandbekämpfung vor. Mit einem Megaphon wurden die aus Leibeskräften um Hilfe schreienden Menschen beruhigt und angeleitet, die Helfer beim Anlegen und Entern zu unterstützen.

Vom Fahrgastschiff wurde eine Leine zum Rüstwagen am Ufer gespannt, an welcher ein eingeklinktes Schlauchboot die Funktion einer Seil-Fähre für Einsatzkräfte und Ausrüstung übernahm. In der ersten Fuhre wurden auch zwei Verletze mit von Bord genommen, diese wurden jedoch an das inzwischen eingetroffene Motorboot der Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont übergeben und mit diesem zur Verletzten-Sammelstelle in Ohr gebracht. An der dortigen Slip-Anlage hat nämlich die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK aus Marienau Position bezogen um die Verletzten zu sichten, medizinisch zu versorgen und den Abtransport zu organisieren.

Einer der Verletztendarsteller sorgte für besonderes Aufsehen, als er plötzlich vom Oberdeck aus mitten in die Weser sprang! Bootsführer Sascha Corbach führte umgehend ein Mann-über-Bord-Manöver durch, so dass der Gesprungene schnell wieder aus dem Wasser gezogen werden könnte!

Aber nicht nur die beiden Feuerwehr-Boote aus Kirchohsen waren im Einsatz. Auch die "Tamara", das im letzten Jahr in Dienst gestellte Mehrzweckboot der Feuerwehr Hameln, das Mehrzweckboot und zwei Pontons des THW-Ortsvereins Hameln und ein Boot der DLRG Ortsgruppe Hameln waren nach und nach an der Einsatzstelle erschienen.

Die Kräfte des DLRG waren ausschließlich zur Eigensicherung vorgesehen, so dass sie während der gesamten Übung etwas stromabwärts vom Unglücksschiff in Bereitstellung blieben. Das Boot der Feuerwehr Hameln wurde hauptsächlich zur Brandbekämpfung eingesetzt, weil es einen fest installierten Saugkorb im Rumpf hat und eine Pumpe aufnehmen kann.

Die übrigen Boote übernahmen den Transport der Fahrgäste im Pendelverkehr zwischen der Brissago und der Verletztensammelstelle. Von gehfähigen und unverletzten Passagieren bis hin zu Schwerstverbrannten, vom Kind bis zum Erwachsenen, war so ziemlich jede Art von Passagier dabei. Sogar ein Blinder mußte von Bord gebracht werden. Hierzu hatten sich außer den Feuerwehrkräften, die die Menschenrettung unter Atemschutz durchführten, auch DRK-Sanitäter vom THW an Bord bringen lassen, die die Patienten vor Ort sichteten und deren Transportpriorität festlegten.

Parallel hierzu wurde auch das Feuer im Maschinenraum gelöscht. Hierzu wurde mit dem vom Boot der Feuerwehr Hameln geförderten Wasser eine Brandbekämpfung im Innenangriff durchgeführt.

Nachdem die Ziele erreicht (keine Personen mehr an Bord / Feuer aus)  waren, wurde die Übung beendet.

Zur großen Überraschung aller waren alle Beteiligten im Anschluß herzlich eingeladen, eine kleine Rundfahrt mit der Brissago zu machen:
Während auf dem Oberdeck die Einsatzkräfte Bratwurst und kalte Getränke zu sich nehmen konnten, hielten die Einheitsführer im Unterdeck eine Übungsnachbesprechung der ganz besonderen Art ab. In so gemütlicher Atmosphäre läßt man eine Übung selten ausklingen.

Nichts desto trotz hat die Übung natürlich auch Erkenntnisse zu Tage gefördert: Das Schlauchboot zum Erstangriff muß weiter stromaufwärts zu Wasser gelassen werden. Auch die Kommunikation der Einheiten untereinander war nicht optimal. Die unterschiedlichen Angriffswege haben mir ihrer räumlichen Trennung verhindert, dass sich eine zentrale Einsatzleitung unter persönlicher Anwesenheit aller Beteiligten Organisationen bilden konnte. Außerdem wurde vereinbart, zukünftig einen Einsatzabschnittsleiter auf das Boot zu bringen, um die Tätigkeiten am Einsatzobjekt besser koordinieren zu können und einen zentralen Verbindungsmann nach außen zu haben.

 

Zu guter Letzt bedankten sich die beiden Übungsleiter bei allen beteiligten Einsatzkräften für ihren Einsatz, aber auch bei den Verletztendarstellern, dem Wasser- und Schifffahrtsamt für die Genehmigung der Übung sowie die Vollsperrung der Weser für die Schifffahrt, der Besatzung der Brissago für die tolle Mitarbeit sowie die anschließende Gastfreundschaft, und natürlich den Sponsoren (Sparkasse Weserbergland, VGH-Versicherung und Weser Personenschiffahrt GmbH), die die Durchführung einer so umfangreichen Übung überhaupt erst möglich gemacht haben.

Bericht der Feuerwehr Hameln lesen...

Bericht des THW-Ortsvereins lesen...